LAMBDA-Nachrichten Nr. 103

Regenbogen-Ball 2005

3/4-Takt unterm Regenbogen

Am 29. Jänner 2005 fand im Parkhotel Schönbrunn bereits zum achten Mal der Wiener Regenbogen-Ball statt, und zum zweiten Mal unter der Regie der HOSI Wien. Schon kurz nach 20 Uhr strömten die ersten der rund 1.200 gut gelaunten Besucherinnen und Besucher in den eleganten, erst wenige Wochen vor der Veranstaltung neu renovierten Ballsaal des ehrwürdigen Parkhotels. Unter den Gästen, die die Eröffnung des Ballkomitees unter der souveränen Leitung von Wolgang Stanek genossen, befand sich auch politische Prominenz, wie Theresia Haidlmayr, Ulrike Lunacek, Maria Vassilakou und Marco Schreuder von den Grünen, Christoph Matznetter und Günther Tolar von der SPÖ sowie zahlreiche Vertreterinnen schwul-lesbischer und Transgender-Organisationen. Neben der Politik wurde im Publikum aber auch Szeneprominenz wie Gery Keszler oder Holger Thor gesichtet.

Formation von TänzerInnen mit Regenbogen-Westen und -GürtelnBettina und Christian auf der Bühne
Die Balleröffnung durch das Komitee, Begrüßung durch die Obleute.

Durch den Abend führte Lucy McEvil, die es sich wie jedes Jahr nicht nehmen ließ, ein paar Seitenhiebe gegen die heimische Politik auszuteilen und auf ihre charmant bissige Art Ereignisse des Jahres 2004 zu kommentieren. In ihrer Begrüßungsansprache riefen die Obleute der HOSI Wien, Bettina Nemeth und Christian Högl, auch zu Spenden für die Flutopfer in Sri Lanka auf. Dann folgte bereits der erste Höhepunkt des Balles, die Tanzeinlage von Les SchuhSchuh. Die Gruppe schafft es nicht nur, Tanz vom Feinsten zu liefern, sondern übertraf sich auch dieses Jahr mit einer originellen Idee und fantastischen Kostümen. Das ländliche Motto in Lederhosen und Dirndl war ein wunderbarer Kontrast zu dem festlich geschmückten Saal und den eleganten BallbesucherInnen, und die Truppe wurde vom Publikum frenetisch gefeiert. Schließlich war es an Wolfgang Stanek, die magischen Worte „Alles Walzer“ zu sprechen und das Parkett für die Gäste freizugeben. Getanzt wurde auch heuer wieder abwechselnd zu den Klängen der Wiener Damenkapelle Johann Strauß, die vor allem Walzer und Polka spielte, sowie der Band A-Live, die mit ihren lateinamerikanischen Rhythmen das Publikum auf die Tanzfläche lockte.

Les SchuhSchuh in Dirndl und LederhosenLucy und Wolfgang
Les SchuhSchuh begeisterten mit ihrer rustikalen Einlage, Lucy McEvil führte durch den Abend, Wolfgang Stanek choreografierte die Eröffnung des Komittees.

Vielfältiges Programm

Der Regenbogen-Ball bot auch heuer neben dem Amüsement im großen Ballsaal zahlreiche Attraktionen in den Nebenräumlichkeiten des Parkhotels. So begeisterte im Wintergarten Desert Wind das Publikum, während im Maria-Theresia-Salon zum heißen Discosound von DJ Sasha SaintEx abgetanzt wurde. Wem es nach soviel Tanz eher nach etwas Chill-out und ruhigerem Ambiente war, konnte sich in der Sissy-Bar von Murielle Stadelmann, die am Klavier von Paul Hille begleitet wurde, in die Welt des Jazz und des französischen Chansons entführen lassen. Die Tanzformation AURA fegte knapp vor Mitternacht über das Parkett des großen Ballsaals und zeigte, dass Tanz auch einen hohen Erotikfaktor haben kann. Zur Publikumsquadrille strömten die BesucherInnen in Massen aufs Parkett strömen, um nach Anleitung von Wolfgang Stanek vor und zurück, mit der eigenen „Dame“, dem „Herrn“ von gegenüber, über kreuz und unten durch zu tanzen. Es grenzt wohl an ein Wunder, dass es bei diesem schweißtreibenden Tänzchen nicht zu ernsthaften Verletzungen auf der übervollen Tanzfläche kam.

AURA zwei in schwarz gekleidete Männer und zwei in weiß gekleidete Frauen posieren mit HütenTanzparkett mit den Quadrille-TänzerInnen in Reihen
Die Formation AURA bot professionellen Tanz, die Mitternachtsquadrille viel Spaß.

Die OrganisatorInnen des Regenbogen-Balls sind jedes Jahr bemüht, ihren Gästen einen Stargast zu präsentieren. Heuer war es gelungen, Marc Almond nach Wien zu bringen. Flankiert von zwei Gogo-Boys sang er live seine größten Hits und zeigte, dass er auch nach seinem schweren Motorradunfall das Publikum zu begeistern weiß.

Gruppenfoto

Ein Teil des Organisationsteams

Schließlich wurden noch die Gewinnlose des Glückshafens gezogen. Als Glücksfee fungierte Murielle Stadelmann, die unter anderem die Gewinnerin des Hauptpreises, eines von Energaytics gestifteten Elektroscooters, ermittelte. Noch bis in die frühren Morgenstunden wurde weitergefeiert und -getanzt.
Dem diesjährigen Organisationsteam und den vielen fleißigen HelferInnen kann man zu einem gelungenen Fest gratulieren, und es sei ihnen an dieser Stelle großer Dank für ihre hervorragende (bekanntermaßen ehrenamtlich geleistete) Arbeit ausgesprochen.

Der Regenbogen-Ball hat es in seiner – im Vergleich zu anderen Ballereignissen – kurzen Vergangenheit geschafft, sich als Fixpunkt im Wiener Ballkalender zu etablieren, und braucht einen Vergleich mit anderen Bällen nicht zu scheuen. Er bietet ein sehr breit gefächertes Programm und ist auch für Nicht-TänzerInnen sicherlich einen Besuch wert, denn wo sonst kann man so viele verschiedene Attraktionen an nur einem Abend genießen. Wir freuen uns schon aufs nächste Jahr!

Peter Stepanek

Marc Almond

Marc Almond wurde am 9. Juli 1957 in Southport, England, geboren. weiter