LAMBDA-Nachrichten Nr. 103

Kultursplitter

Ausstellungen

Bis 26. März sind in den Räumen von „Kultur unter der Brücke“ (Wien 1, Wipplingerstraße 23) Arbeiten von Petra Paul und Michael Frages zu sehen. „Bloody Days“ umfassen Petra Pauls Wachsarbeiten und neue Menstruationsblutkunst, und der vermutlich schwule Künstler Michael Frages zeigt sich selbst in Fotografien unter dem Titel „My Body is my Home“. Die bipolaren Begriffe Weiblichkeit und Männlichkeit verweisen somit auf deren Gebundenheit an den weiblichen bzw. männlichen Körper – oder doch nicht? Die Ausstellungen wurden vor zahlreichem Publikum von Gudrun Hauer und Elisabeth Voggeneder eröffnet.

Noch bis Mitte März sind im Café Willendorf (Wien 6, Linke Wienzeile 102) Bilder des Künstlers Jürgen Gaulocher zu sehen. Die unter dem Thema Lust zusammengefasste Retrospektive zeigt Bilder, auf denen unterschiedliche „Klischee-Schwule“, wie der Lederschwule, der Cowboy, der Matrose dargestellt werden. Die Porträtierten sind meist nicht statisch abgebildet, sondern vollziehen Aktionen innerhalb eines Bildes.

 

Albtraum Globalisierung

In den fünfziger Jahren bekam ein Beamter der kenianischen Fischereibehörde die Erlaubnis, einige Exemplare des Nilbarsches im Viktoriasee auszusetzen. Bald füllten sich die Netze der Fischer, doch der Nilfisch vermehrte sich rapide, beherrschte bald den ganzen See und zerstörte den angestammten Artenreichtum. Der österreichische Regisseur Hubert Sauper zeigt in seinem Dokumentarfilm Darwin’s Nightmare, wie die westliche Fischverarbeitung mit Waffenlieferungen für Zentralafrika zusammenhängt. Große versus kleine Fische. Ein Kreislauf aus Ausbeutung, Bereicherung, Verelendung, Hunger, Prostitution und AIDS, der sich scheinbar unaufhaltsam weiterdreht – ein Globalisierungs- und Kapitalismusalbtraum!


Dr. Sex

Wer kennt sie nicht, die Kinsey-Reports über das sexuelle Verhalten von Frauen und Männern? Bill Condon schildert in seinem neuen Film Kinsey – Die Wahrheit über Sex eindrucksvoll das Leben von Alfred C. Kinsey, der – erstaunt über das Informationsdefizit seiner StudentInnen in Sachen Sexualität – beginnt, die menschliche Sexualität akribisch zu untersuchen.

Szenenfoto: Kinsey im Zentrum eines Universitätssaales

Der Film Kinsey – Die Wahrheit über Sex läuft am 25. März in Österreich an.

Liam Neeson ringt als Kinsey um empirische Erleuchtung und kämpft gleichzeitig gegen die mittelalterlichen Moralapostel einer verklemmten amerikanischen Gesellschaft. Kinsey zeigte auf, dass Sexualität nicht nur in der Ehe stattfand, und enttabuisierte zugleich weibliche Sexualität sowie Homosexualität bei beiden Geschlechtern.

H. C. Andersen in Wien

Der berühmte Märchendichter Hans Christian Andersen besuchte sechs Mal Wien. Aus diesem Grund widmet das Wien Museum Karlsplatz dem Autor von Das hässliche Entlein und Die Kleine Meerjungfrau zu seinem 200. Geburtstag eine Ausstellung. Sie besteht einerseits aus einer aus Dänemark übernommenen Schau mit Bildtafeln, die Leben und Werk zeigen, andererseits werden seine Wienbesuche dokumentiert. Während der Ausstellung lesen Ensemblemitglieder des Burgtheaters aus Andersens Märchen. Die schwule Seite des dänischen Dichters werden die LN in einer ihrer nächsten Ausgaben ausführlich beleuchten.

Petra M. Springer

Theater

Am 4. März hat „HOSIsters’ Madame Butterfly“ Premiere. weiter

Film

Mein Mörder

Der Film Mein Mörder schildert das Schicksal eines Jungen, der im Alter von zehn Jahren auf Betreiben seines politisch fanatischen Schuldirektors in die Wiener NS-Euthanasieanstalt am Spiegelgrund auf der Baumgartner Höhe eingewiesen wird. weiter