LAMBDA-Nachrichten Nr. 103

Theater

HOSIsters’ Madame Butterfly

Bestimmt erinnern Sie sich noch an den schrecklichen Misserfolg der zweiaktigen Uraufführung von Giacomo Puccinis Madama Butterfly am 17. Februar 1904 im Teatro alla Scala in Mailand. Erst nach radikalen Revisionen durch den Komponisten wurde die große tragische Oper nach einer Neuaufführung in Brescia zum Erfolg.

Und 100 Jahre nach diesem Desaster haben sich nun die HOSIsters dieses bedeutenden tragisch tragödienhaften Stoffes angenommen und ihrerseits das Libretto modifiziert, um es ein wenig zeitgemäßer in Szene zu setzen. Ohne falsche Scham wurde auch in die Originalpartitur eingegriffen – nicht zuletzt, um den doch manchmal schweren, ernsthaften Klangkörper ein wenig durch leichte Muse abzuspecken.

 

Gruppenfoto vor japanischer Flagge

Die Butterfly und das Ensemble

Tatsächlich liegt jedoch auch nach der Neubearbeitung durch das kongeniale Autorenduo der HOSIsters eine erstaunlich originale Madame Butterfly vor, bei der die unendlichen Sehnsüchte und Leiden der zierlichen Geisha Cho-Cho-San mit erschütternder Dichte auf die ZuschauerInnen niederprasseln, um dann – ganz typische HOSIsters-Manier – in teilfinaler Wendung und süß-sauer melodramatischem Singspiel in Komödienhaftes verwandelt zu werden.

Trübsal blasen ist auch der anderen ProtagonistInnen innerste Wollung nicht. So hinkt auch Suzuki, Butterflys treu ergebene Dienerin, die immer wieder im Clinch mit dem vorerst schleimig-glitschig wirkenden Kuppler Goro die Schmetterlingsgleiche vor Unbill zu schützen sucht, in Angelegenheiten der sexuellen Begierde um nichts hinter der libidinösen Cho-Cho-San hinterher.

Elan bringt auch der janusköpfige Bonze, Butterflys Onkel, ins Spiel, als es heißt, seine Nichte der Verehelichung – wenn nötig auch mit sanftem Druck – zuzuführen. Ziel seines gar nicht so selbstlosen Handelns sind Reichtum und Macht, wobei er aber nicht mit der Kraft der wahren Liebe und dem Engagement der unvergleichlichen und von unerschütterlichem Freiheits- und Gerechtigkeitssinn durchdrungenen Gattin Kate des Marineleutnants Pinkerton gerechnet hat.

Richtig fetzig wird es dann, wenn ein seltsamer Samurai im Zuge der Durchführung des Auftrags seines Shoguns, sich der friedliebenden Geisha zu bemächtigen, Nebenbuhler und Widersacher mit grazilem Getöse und frisch saftigem Gepolter abserviert und dabei irrtümlich seine Manneskraft an Suzuki verschleudert und schlussendlich vom gepanzerten Krieger zum sanftmütig verständnisvollen Mannsbild mutiert.

Freilich wird die Sache dann fatal fulminant – oder besser gesagt – fulminant fatal für den Fürsten Yamadori, der ja bekanntlich Ursache und Wirkung zugleich dieses fernöstlichen Spektakels ist. Denn er ist es, der sich – obgleich er seiner beabsichtigten Heirat mit Butterfly aus monetären Beweggründen nicht im Wege steht – im Trubel des Seins über allem Profanen allein der originären japanischen Dichtung verpflichtet fühlt.

Lebendige Leidenschaft strahlt jener knusprig krokante kokette Sharpless, seines Zeichens Konsul in Nagasaki, aus, als er seinem schneidig süffisanten Schulfreund, dem Marineleutnant Pinkerton, begegnet. Sowohl der an die Suffragette Kate Gebundene als auch der seinem kolonialen Eid Verpflichtete teilen nebst der Erinnerung an die gemeinsamen Jugendtage, als sie – in ekstatischer Zucht und orgiastischer Ordnung erzogen – ihres Mannseins gewahr wurden, auch eine gemeinsame Begierde.

Yin und Yang, traditionelle und exotische Klänge, rot glühende Sonnen, farbenprächtige Gewänder sowie echtes und unverfälschtes japanisches Brauchtum bilden den Rahmen dieser neuen Produktion der HOSIsters, die es dem geschätzten Publikum ermöglicht, einen Abend lang in freudigem Taumel in die Schwaden der Nebel Nippons einzutauchen.

Termine

HOSIsters’
Madame Butterfly

Aufführungen:
Fr 4., Sa 5., So 6.,
Fr 11., Sa 12., So 13.,
Fr 18., Sa 19. und So 20. März 2005
Freitag und Samstag 19.30 Uhr, Sonntag 18 Uhr