LAMBDA-Nachrichten Nr. 103

Aus dem Archiv

Vor 15 Jahren

Am 20. März 1990 kam es im Landesgericht für Strafsachen Wien zu einem spektakulären Tumult. Weil sie in Publikationen der HOSI Wien Werbung für gleichgeschlechtliche Unzucht erblickte, hatte die Staatsanwaltschaft die Einziehung dieser Druckwerke beantragt. Ein Verfahren gemäß § 220 StGB anzustrengen getraute sich die Justiz allerdings schon damals nicht. Deshalb sollte die HOSI Wien über den Umweg des Mediengesetzes eingeschüchtert werden.

Kurt, Friedl und andere HOSI-Aktivisten im winzigen VerhandlungssaalDie Richterin sieht enerviert zum Fotografen, Kurt wütend zu ihr - dazwischen eine verängstigte SchreibkraftVier uniformierte Beamte führen Kurt ab

Tumult im Wiener Landesgericht anno 1990

Zur Hauptverhandlung kamen rund 30 ZuhörerInnen, Richterin Doris Trieb wollte aber nur so viele ins Verhandlungszimmer lassen, wie Sessel vorhanden waren: sieben. Als die Leute keine Anstalten machten zu gehen, rief sie die Justizwache. Das erzürnte HOSI-Wien-Aktivist Kurt Krickler dermaßen, dass er den Aktenstoß vom Richtertisch nahm und in die Ecke des Zimmers schleuderte. Daraufhin wurde er mit brutaler Gewalt abgeführt, ebenso wie Friedl Nussbaumer, der ihm – geschockt – zu Hilfe eilte. Nach einer Stunde wurden sie wieder freigelassen.

Im September 1990 verurteilte Trieb dann in dieser Sache die HOSI Wien, die in Berufung ging. Im April 1991 bestätigte das Oberlandesgericht den Beschluss der ersten Instanz, wertete aber nur drei der sieben inkriminierten Passagen als Werbung für Homosexualität.