LAMBDA-Nachrichten Nr. 103

Aus aller Welt

DEUTSCHLAND
Gedenkort für NS-Opfer in Berlin

Der Deutsche Bundestag beschloss am 12. Dezember 2003, der Erinnerung an die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen mit einem Gedenkort in Berlin Raum und Gestalt zu geben. Dieser Gedenkort wird nun in Berlin-Mitte am südöstlichen Rande des Tiergartens entstehen – gegenüber dem geplanten Denkmal für die ermordeten Juden Europas.

Brandenburger Tor

In der Nähe des Brandenburger Tors, am südöstlichen Rand des Tiergartens, wird den homosexuellen NS-Opfern ein eigener Gedenkort gewidmet.

Für die Gestaltung des Ortes ist ein zweistufiger Kunstwettbewerb mit bis zu 30 Künstlerinnen und Künstlern ausgelobt worden. Das Wettbewerbsverfahren wird vom Land Berlin im Auftrag des Bundes und in Abstimmung mit der Initiative Der homosexuellen NS-Opfer gedenken und dem Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) als den Projektinitiatoren durchgeführt. Sie werden einen Teil der zum Wettbewerb einzuladenden Künstlerinnen und Künstler über ein offenes Bewerbungsverfahren auswählen. Dies soll gewährleisten, dass ein möglichst breites künstlerisches Spektrum angesprochen wird. Bis 31. Jänner 2005 konnten Vorschläge im Rahmen dieses offenen Bewerbungsverfahrens eingereicht werden. 124 Künstlerinnen und Künstler, Architektinnen und Architekten haben dies getan und sich um die Gestaltung des künftigen Gedenkorts beworben. Der Initiatoren freuen sich über die große Beteiligung und bezeichnen sie als einen sehr guten Start in die Realisierung des dritten Denkmals, das in Reichstagsnähe an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern wird. Die Ausschreibung stieß übrigens auf internationales Interesse. Bewerbungen kamen auch aus Österreich, Polen, den USA, Israel, Kanada, Schweden und Finnland.

Bis zu sieben von ihnen werden nun zur Teilnahme am Kunstwettbewerb ausgewählt, und zwar von einer Auswahlkommission, die von der Initiative und dem LSVD berufen wurde. Der eigentliche Wettbewerb beginnt im April 2005 mit einem öffentlichen Kolloquium. Neben diesen sieben Teilnehmerinnen bzw. Teilnehmern werden weitere 23 für den Wettbewerb von einem künstlerischen Beirat eingeladen, der vom Bund, dem Land Berlin und den Initiatoren berufen wurde.

 

SCHWEDEN
Pastor freigesprochen

�lterer Herr mit Glatze vor dem Tor einer kleinen Kirche

Der homo­phobe Pastor Åke Green gewann die Berufungsver­handlung.

Wie berichtet (LN 3/04, S. 14), hatte das Bezirksgericht Kalmar im Juni 2004 Pastor Åke Green wegen homophober Aussagen in einer seiner Predigten zu einem Monat Freiheitsstrafe verurteilt. Am 11. Februar 2005 wurde er nun in der Berufungsverhandlung am Göta Hovrätt in Jönköping vom Vorwurf der Hetze gegen Minderheiten freigesprochen. Der 63-jährige Pastor der freikirchlichen Pfingstbewegung hatte Homosexualität und andere „abnorme“ sexuelle Neigungen als „Krebsgeschwulst am Körper unserer Gesellschaft“ bezeichnet.
Entgegen dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf sechs Monate Gefängnis entschied das Gericht auf Freispruch und verwies auf die Religions- und Meinungsfreiheit. Green habe in der Predigt keine Hetze betrieben, sondern seine eigene Bibelauslegung vortragen wollen. Dabei müssten auch Ansichten erlaubt sein, die „einer Mehrheit der Bevölkerung fremd sind und provozierend wirken“. Der Fall hatte in Schweden auch wegen der massiven Unterstützung für den Pastor durch freikirchliche Demonstrationen erhebliches Aufsehen erregt.

Der schwedische Lesben- und Schwulenverband RFSL (Riksförbundet för sexuellt likaberättigande) ist empört. Geschäftsführerin Maria Sjödin weist darauf hin, dass das Urteil wohl anders ausgefallen wäre, hätte Green in ähnlicher Weise gegen Juden oder Schwarze agitiert. RFSL geht davon aus, dass die Anklagebehörde gegen den Freispruch Berufung einlegen wird.

Heiratssachen

TSCHECHISCHE REPUBLIK
EP scheitert an einer Stimme

Mit 83 gegen 82 Stimmen wurde am 11. Februar 2005 im tschechischen Abgeordnetenhaus eine Gesetzesvorlage für die Einführung der Eingetragenen PartnerInnenschaft denkbar knapp abgelehnt. weiter