LAMBDA-Nachrichten Nr. 102

Autonome Trutschn

Selig, selig, selig!

Wer in diesen tristen Septembertagen die österreichischen Medien aufmerksam studierte, kam an einem Thema nicht vorbei: der Seligsprechung von Kaiser Karl I. Nun gut, selig wird bald wer gesprochen, doch diesmal erregte das Ganze einfach mehr Aufmerksamkeit. Schließlich wurde der arme Karl, vulgo Kaiser Karl, von den bösen Republikanern rausgeschmissen und musste in Armut in einer schicken Villa auf Madeira dahindarben – während halb Österreich hungerte. Und dennoch wurde dank seiner eine Nonne von ihren Krampfadern befreit. Und das trug sich so zu: Die brasilianische Nonne, die in Guatemala nach dem Verzehr eines mexikanischen Krapfens einen venösen Stau in den Beinen hatte, erinnerte sich, dass ein Gebet alles heilen kann. Da ihr aber gerade nicht der Heilige für bzw. gegen Krampfadern einfiel, die gute Frau aber immer gerne die Illustrierten durchblätterte und die Frau mit Herz gerade einen Artikel über fromme Monarchen im frühen 20. Jahrhunderts gebracht hatte... Jedenfalls dachte sie sich, dass der Karl – weil der ja als apostolischer Dings und eben gottgewollt und aufgrund seiner hohen Geburt – sicherlich besser helfen könnte als so ein dahergelaufener Heiliger, der Kuhhirte war oder so.

Eine andere Überlieferung spricht allerdings davon, dass die gute Frau Sisi – Teil 3 gesehen hatte und die Schlussszene mit dem Bischof, wie die Sisi nur Augen für das Kind hat, weil eben nicht sicher, ob sie jemals im Leben noch sehen würde ... und da sagt der Bischof dann: „Selig die, deren Herz vor Freude überströmt, denn diese Liebe kommt von Gott!“ Und da ja die Sisi auch Habsburgerin und eben der Artikel über die Habsburger ... und die Nonne eben lieber zu einem Mann, weil ja katholisch ... jedenfalls: Gebet an Karl.

Fannyann Eddy
Der selige Kaiser und Krampfadernheiler

Wie auch immer, die Krampfadern waren Geschichte. Seit diesem Wunder war der Karl quasi die heilige Johanna der Krampfadern. Jedenfalls wäre es nicht unser Land, wäre nicht bald darauf eine Vereinigung gegründet worden, um das Andenken an den, der in selbstlosester Weise Krieg führte und Krampfadern heilt, zu ehren: die Kaiser-Karl-Gebetsliga, Vorsitzender Kurt Krenn! Da bleibt Trutschn der Mund offen. Nebenbei erwähnt Nationalratspräsident Khol, dass er kein Monarchist ist. Na, da sind wir aber alle froh, weil das wäre ja auch nicht so günstig, weil irgendwie doch Interessenkonflikt. Aber dabei sein ist alles, auch bei einer Seligsprechung. Natürlich nur, um der katholischen Kirche seinen Respekt auszudrücken – und immerhin war der Karl ja auch ein Österreicher. Außerdem möchte Khol die Seligsprechung mittels Gift­gas­einsatzes nicht kommentieren, da ja Kirche und Staat in allen Instanzen getrennt sind. Wo? Das ist uns Trutschn neu, wird doch das heilige Sakrament der Ehe gerade von den Schwarzen bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit ausgegraben. Zum Glück errichtet die Volkshochschule Hietzing einen Kaiser-Karl-Gedenkschrein, weil immerhin ist ja die gemeine Krampfader quasi Volkskrankheit, und veranstaltet auch „selige Venengymnastik“.

Die Autonomen Trutschn, die ewig 29 sind, haben mit seligen Krampfadern nichts am Hut. Erstens sind unsere Beine makellos, und zweitens würden wir niemals irgendeinen Habsburger um irgendwas anbetteln. Schließlich sind die Trutschn Republikanerinnen ersten Ranges. Dann noch eher den Kirchschläger! Im übrigen soll noch erwähnt werden, dass auch die Autonomen Trutschn von der orthodoxen Kirche selig gesprochen werden sollten, da auf einer geheimen Mission in Kurdistan eine alte Frau von einem heimtückischen Furunkel geheilt wurde, nachdem Präsidentin Sabine sie angelächelt und Präsidentin Marlene ihr gewunken hatte. Das Furunkel verschwand innerhalb von 14 Tagen, womit ein Zusammenhang eindeutig bewiesen wurde. Da wir aber in kein wie immer geartetes religiöses Eck gedrängt werden wollen, haben wir dankend abgelehnt. Otto von Habsburg sagt, Karl hätte sich um die Menschen gekümmert, er wollte Frieden erreichen. Na, also, das ist ja eigentlich unser Credo. Für den Weltfrieden, wider das Böse! Ein Buch titelt: Kaiser Karl I. – Selig, die Frieden suchen. Wir sagen, Buchen sollst du suchen, Eichen weichen.

Gibt es doch mehr Übereinstimmungen, als uns lieb ist? Wird Kaiser Karl auch noch Ehrentrutschn? Und welcher Teil dieses Artikels ist frei erfunden? Für all jene, die es schaffen, aus diesem Artikel die freierfundene Geschichte herauszufinden, wird eine Audienz bei den Autonomen Trutschn am Petersplatz (in Wien) verlost! Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Portraitfoto
Die PRÄsidentinnen