LAMBDA-Nachrichten Nr. 102

Die Seite der HOSI-Jugend

Jugendcorner

Europa ist pink!

Zumindest aus der Sicht der etwa 60 TeilnehmerInnen beim diesjährigen Summermeeting für les/bi/schwule Jugendliche. Mädchen und Burschen bis 25 Jahre aus Österreich, Deutschland, Großbritannien, Italien und der Schweiz verbrachten gemeinsam eine Woche im Europacamp Weißenbach am Attersee. Veranstaltet wurde das Spektakel von der Jungen HOSI Linz mit Unterstützung von einigen Freiwilligen, die im Organisationsteam für einen reibungslosen Ablauf sorgten. Darunter war auch Dani, die Leiterin der HOSI-Wien-Jugendgruppe, die den Titel „Master Chief Chicken“ verliehen bekam. Sie rührte selbstverständlich auch in Wien die Werbetrommel für das Camp und brachte Miguel, Hannes, Catrin und viele andere mit.

Eine besonders nette Idee des Teams waren die – auf deutsch und englisch – vorgedruckten Liebesbriefe, die in einem großen Liebespostkasten gesammelt und täglich an die umschwärmten AdressatInnen verteilt wurden. Die Burschen und Mädels mussten einfach nur ankreuzen, was sie mit ihrem Objekt der Begierde gerne tun wollten. Spaß haben, einander massieren, sich an einem bestimmten Ort treffen oder einfach nur sagen: „Ich find dich süß.“ Täglich nutzten bis zu zwanzig TeilnehmerInnen diese unkomplizierte Art der Kontaktaufnahme und lernten sich so schneller kennen.

Dazu gab es natürlich auch beim umfangreichen Programm während der ganzen Woche Gelegenheit. Bei den Vormittags- und Nachmittagsworkshops war für jeden etwas dabei: les/bi/schwuler Alltag, Liebe und Selbsterfahrung, HIV/AIDS, Theater- und Kreativworkshop, Bodypainting, Aktzeichnen und als Ausgleich natürlich Sportliches wie Fußballturniere, Laufen oder ein spontaner Ausflug ans nahe Ufer des Attersees.

Beim Drag-King-Workshop konnten sich die Mädels verschiedene männliche Charaktere für sich selbst zurechtlegen, die sie später beim Abschlussfest des Sommerlagers auf der Bühne auslebten. Sie übten sich in männlicher Gestik, gebärdeten sich wie Hackler vom Bau und wurden doch ganz zart, als sie auf die Diven vom Drag-Queen-Workshop trafen, um mit ihnen zu flirten. Die jungen Männer zeigten stark geschminkt ihre weibliche Seite in Seidentüchern und studierten den typischen Laufsteg-Schritt ein.

Gruppenfoto mit Drag Kings
Vom Mädchen zum Drag-King…

Ungeduldig erwartet wurde der Surprise Day, der jedes Jahr vom Organisationsteam für die TeilnehmerInnen arrangiert wird. Als es endlich soweit war, wurden alle in Autos gepackt und auf ein Wikingerschiff, das auf der Donau wartete, verfrachtet. Alle mussten in alte Leinenhemden schlüpfen, auf denen typische Berufe der alten Wikinger oder persönliche Merkmale aufgedruckt waren, z. B. „Henker“ oder „Einauge“. Bei deutscher Schlagermusik ruderten die Burschen und Mädchen – so weit es ging im Gleichtakt – ans andere Ufer. Dort wurden altertümliche Spiele veranstaltet wie Zielschießen mit dem Katapult oder Speerwerfen. Zur Entspannung ging’s anschließend ins Wasserparadies Aquapulco nach Bad Schallerbach.

Die Abende nach den erlebnisreichen Tagen wurden immer gemeinsam verbracht, und so wanderte man eines Nachts mit Fackeln auf verschlungenen Waldwegen zum Nixenfall, einem kleinen romantischen Wasserfall, der sich vom grauen Felsen stürzt.

Quotenheteros & Lesbensoaps

Bei Sitcoms und Daily Soaps gehört es scheinbar zum guten Ton, dass zumindest eine Lesbe oder ein Schwuler mitspielt. Das ist bei Dawsons Creek ebenso der Fall wie bei den deutschen Produktionen Marienhof und Lindenstraße. Mittlerweile hat sich in der TV-Branche auch herumgesprochen, dass Homosexuelle keine Menschen zweiter Klasse sind, die man beliebig und als kleine Sensation einsetzen kann, sondern ganz normale Menschen, deren Leben interessant genug ist, um eigene Soaps aufzubauen. Der US-Pay-TV-Sender Showtime zeigt neben Queer as Folk seit Anfang 2004 die Serie The L-Word, bei der sich alles um eine Gruppe (lesbischer) Frauen und ihr Beziehungsleben dreht.

Doch wo gibt es die Infos gesammelt, ohne sämtliche TV-Zeitschriften durchsuchen zu müssen? Auf dem Website Coming out of TV (www.cootv.de) haben zwei beherzte Frauen ihre Leidenschaft und ihr Wissen für alle zugänglich gemacht und einen „ultimativen Guide für lesbische Inhalte in TV und Film“ zusammengestellt. Gleich im ersten Fenster sind die kommenden Sendetermine im TV eingetragen, die Serien- oder Filmtitel sind verlinkt mit dem alphabetisch geordneten Lexikon. Mit einem Klick erfahren wir sofort alles über die Story, die DarstellerInnen sowie ausführliche Produktionsinfos und können einen persönlichen Kommentar lesen, der mit Hintergrundinfos gespickt ist. Dazu gibt es noch eine Fotogalerie, Previews und Kritiken aus Magazinen.

Bettina Nemeth