LAMBDA-Nachrichten Nr. 101

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Im Anrollen: Rugby & Roll

Manche Sportart, die (noch) nicht EuroGames-Disziplin ist, könnte für Schwule und Lesben von Interesse sein, wenn sie wüssten, dass es diesen Sport in Österreich überhaupt gibt und sie dort sogar ausdrücklich willkommen sind. Deshalb stellen wir diesmal Rollkunstlauf und Rugby vor.

Pirouetten

Rollschuhkunstlaufen ist eine elegante und kreative Sportart, bei der auch die musikalischen und tänzerischen Elemente nicht zu kurz kommen. Der Kunstlauf auf Rollschuhen ist mit dem gleichnamigen Sport auf Schlittschuhen stilverwandt. Er entwickelte sich seit den Anfängen des Eiskunstlaufs im 19. Jahrhundert parallel dazu. Vor dem 1. Weltkrieg war der Rollkunstlauf bereits ein schicker Mode- und Gesellschaftssport geworden. In allen Großstädten Europas gab es Rollschuhpaläste, und im Jahr 1910 zählt man in Berlin mehr Rollschuhläufer als Radfahrer.

Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte die Entwicklung vom Massensport zum Leistungssport ein. Es gibt Europa- und Weltmeisterschaften. Die großen Verbände Italiens und Frankreichs setzen sich seither massiv dafür ein, Rollkunstlauf zur olympischen Disziplin zu machen. Es gibt Bewerbe in den Kategorien Damen und Herren Einzel, Paarlauf, Tanzen und Formation. Im Einzel besteht ein Bewerb aus Pflicht (Spurenlauf), Kurzprogramm und Kür. Wie im Eiskunstlauf wird in Note A der technische Inhalt und in Note B der künstlerische Ausdruck bewertet. Bei Meisterschaften werden in der Spitzengruppe fast nur noch Dreifach-Sprünge und technisch anspruchsvolle Pirouetten geboten.

In Wien betreut den Rollkunstlauf der ASKÖ-Verein WREV (Wiener Roll- und Eislaufverein). Der Verein schickt SportlerInnen zu internationalen Bewerben und hat in den letzten Jahren gute Platzierungen erzielt. Mit großem Engagement kümmert sich die Bundestrainerin Renate Kust um den Nachwuchs und um die HobbysportlerInnen. Im WREV war auch der vom Rollschuhkunstlauf begeisterte Johannes als Schwuler von Anfang an herzlich willkommen. „Zusätzlich besteht dort die Möglichkeit, im Winter auf dem Eis zu trainieren“, berichtet er, „was sich wunderbar ergänzt.“ Johannes trainiert mehrmals wöchentlich am Eisring Süd (Sportanlage Windenstraße) und am Samstagnachmittag in einer Halle im 10. Bezirk. Schwule Sportler und lesbische Sportlerinnen sind herzlich eingeladen, ihn zu einem Training zu begleiten.

Kontakt: Johannes Amerer, Tel.: 01/5048751.

Gerangel

Am 5. Juni 2004 spielte erstmals die österreichische Rugby-Nationalfrauschaft in einem freundschaftlichen Ländermatch gegen jene der Tschechischen Republik auf der Hohen Warte. Die Österreicherinnen spielten sehr beherzt und mussten erst knapp vor Schluss den Ausgleich hinnehmen. Das Spiel endete 5:5.

Das in Österreich noch wenig verbreitete Spiel mit dem ovalen Ball wurde 1823 in der englischen Schulstadt Rugby „erfunden“. Der Schüler William Webb Ellis nahm im Lauf eines Fußballspiels ganz einfach den Ball in die Hand und rannte damit davon. Seither hat sich „sein“ Sport erheblich weiterentwickelt: Der Ball ist oval, damit ihn die SpielerInnen besser tragen können. Das Team besteht aus 15 SpielerInnen, damit es für das Gerangel um den Ball mindestens drei Reihen von StürmerInnen gibt: in der ersten Reihe die bulligsten – 100-Kilo-Bröckerln sind keine Seltenheit; in der zweiten Reihe stehen die größten – Zwei-Meter-Kerle bei den Boys, beim Frauenrugby von 1,80 m aufwärts; in der dritten Reihe finden alle anderen Platz, die wendig und angriffslustig sind.

Gerangel ist beim Versuch, den Ball ins gegnerische Malfeld zu tragen und dort niederzulegen, und beim Verhindern dieser Absicht nicht nur unvermeidlich, sondern die klassische Technik. Zum Zweck des Raumgewinns den Ball zu werfen ist ausdrücklich verboten. Verboten, um den Vormarsch der anderen zu stoppen, sind nur Beinstellen, Schlagen oder Halten am Hals.

Rugby, das außer körperlicher Fitness auch höchste Fähigkeiten zu raschem kooperativem Teamspiel verlangt, ist als Frauensport in Österreich sehr jung. Bisher gibt es bereits einige Männer- und Burschen-Teams, aber erst eine einzige Frauschaft. Dem Österreichischen Rugby-Verband (ÖRV) liegt viel am Aufbau von Damen-Teams. Die aus Kanada stammende, im ÖRV für Damenrugby zuständige Renée Carmine-Jones lädt deshalb auch ausdrücklich „alle sportlichen Lesben, die sich für Rugby interessieren“, ein, mit ihr Kontakt aufzunehmen oder bei einem Training vorbeizuschauen.

Info: www.rugby-austria.com; Kontakt: Renée Carmine-Jones, Tel.: 0676/536 19 71.

Helga Pankratz

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Termine

„Homophobie im Sport“: 27. Juli 2004,19 Uhr 30, MUMOK Wien. Veranstalter: DER STANDARD, VIDC – Fair Play Against Racism, Aufschlag.

Tanzen: Die Frauentanzabende von Resis.danse im Wiener HOSI-Zentrum finden während der Sommermonate am 23. Juli und 13. August jeweils ab 20 Uhr statt. Ab 10. September gibt es die Tanzabende wieder jeden Freitag um 21 Uhr. Das genaue Programm Herbst 2004/Winter 2005 auf:
www.resisdance.at.

4. Blue Danube Cup-Tanzturnier: Am 18. September 2004 findet bereits zum 4. Mal das internationale BDC-Tanzturnier für Männer- und Frauenpaare in Wien statt – Information.